Freilichtmuseum Kommern

 
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Mittelalterlicher  „Steinbruch“  Römerkanal

Im Hochmittelalter ca. 11. bis 13. Jahrhundert n.Chr. wurde die römische Eifelwasserleitung vielerorts als Steinbruch und Baustofflieferant genutzt um z.B. Burgen, Kirchen und Klöster zu errichten. Dieser mittelalterliche Steinraub lässt sich an vielen Bauwerken aus dieser Epoche noch heute nachweisen. Des Weiteren waren nicht nur die Steine und der Gussbeton (Opus Cementicium) aus römischer Zeit für die mittelalterlichen Bauherren von Bedeutung. Über die Jahrhunderte bildete sich durch das kalkhaltige Wasser aus der Eifel eine mächtige Kalksinterschicht in der römischen Wasserleitung, die stellenweise auf eine Dicke von bis zu 0,30 Meter heranwuchs. Durch fachmännische Bearbeitung der mittelalterlichen Handwerker war dieses Material, der sogenannte „Aquäduktmarmor“ als Ersatz für teuren echten Marmor über die damaligen deutschen Grenzen hinaus ein begehrter Baustoff. Diesen findet man heute noch in fast allen rheinischen Kirchen aus dieser Zeit, z.B. in Form von Säulen, Grabplatten, Altarplatten usw. Somit trugen auch die Kalksinterablagerungen als Marmorersatz aus dem Römerkanal zum Abriss dieses antiken Bauwerkes bei.

sintergewinnung
plus

Zu Anfang dieses Kapitels möchte ich Ihnen zwei seltene fotografische Dokumente präsentieren, die auf den Steinraub an der römischen Eifelwasserleitung hinweisen.

Nicht nur im Mittelalter wurde die römische Eifelwasserleitung als billiger Baustofflieferant genutzt. Auf den beiden Bildern links sieht man, dass selbst noch um 1918 Teile des Römerkanals in Kreuzweingarten abgerissen wurden um die Kalksinterablagerungen als Marmorersatz (Aquäduktmarmor) zu nutzen.

Fotoquelle: Historische Internetseiten Kreuzweingarten/bzw/woenge.de, /bzw./ wingarden.de /bzw./ Sammlung H.Klein / Walram Schmitz.

Ascher
Uhr

Alltagsgegenstände aus Kalksinter

Auf den beiden Bildern links, sehen Sie zwei schöne Beispiele für die Verwendung von Aquäduktmarmor. Es handelt sich hier um einen  polierten Aschenbecher, und um eine schöne Uhr aus unbearbeiteten Kalksinter, der seinen Ursprung in der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln hat.

Die beiden Stücke  die sich in Privatbesitz befinden, müssen wohl in jüngerer Zeit hergestellt worden sein, da die Uhr im inneren ein Quarzuhrwerk beherbergt.

Hochaltar in der Kirche St. Katharina in Kreuzweingarten

Ein Prunkstück für die Verwendung von Kalksinter aus der römischen Eifelwasserleitung ist der Hochaltar in der St. Katharina Kirche in Kreuzweingarten. Hier kann man einen Altar bewundern der fast komplett aus Aquäduktmarmor hergestellt wurde.

Der Altar ist nur zu besonderen Anlässen oder Veranstaltungen ohne Altartuch zu besichtigen.

Gut Kapellen
opus signinum

Gut Kapellen bei Swisttal-Dünstekoven

Eins der sehenswertesten  Beispiele des mittelalterlichen Steinraubes am Römerkanal ist das Gut Kapellen (früher Kloster Schillingskapelle). An diesem Bauwerk lässt sich nicht nur das Abbruchmaterial der Eifelwasserleitung nachweisen, sondern auch den Herkunftsort des Materials. Die konischen Tuffsteine und Handquader die an vielen Stellen zu sehen sind, stammen mit großer Wahrscheinlichkeit  von der nicht weit von hier ehemals römischen Aquäduktbrücke die das Eifelwasser über eine Länge von 1400m über das Swisttal leitete. Der wiederverwendete Tuffstein war ursprünglich die äußere Verkleidung des größten Bauwerks der römischen Wasserleitung nach Köln. Nicht nur das beschriebene Gestein ist Zeuge der Zweitnutzung des Römerkanals, überall findet man am Gutshof Reste der Wasserleitung, z.B. Guss beton mit anhaftendem, rotem Abdichtputz (opus signinum).

Wasserwerk

Wasserwerk bei Mechernich-Breitenbenden

Beim Bau des Breitenbendener Wasserwerkes im Jahre 1930 besann man sich einer mittelalterlichen Tradition und verwendete ein aus dem Römerkanal gebrochenes Stück Kalksinter als Baumaterial. Durch den Einbau einer Kalksinterplatte über dem Eingang gedachte man eine Brücke zu schlagen von der Wasserversorgung in römischer Zeit bis in unsere Tage. Die über der Sinterplatte angebrachte Inschrift stellt diesen Bezug allerdings etwas abstrakt dar, denn die Kalksinterablagerung in der Leitung war für die Römer eine eher lästige Nebenerscheinung beim Transport des kalkhaltigen Eifelwassers.

Säule
Säulenfragment

Hürten-Heimatmuseum / Bad Münstereifel

Im ältesten Wohnhaus Bad Münstereifels dem romanischen Hauses ist das Hürten-Heimatmuseum untergebracht. In der Bausubstanz des historischen Bauwerks finden wir heute noch zahlreiche originale Säulen im Fenstergesims die aus Sinterkalk der  Eifelwasserleitung hergestellt wurden.

 

Im Museum finden wir auch noch andere Ausstellungsstücke aus Sinterkalk, wie das Säulenfragment im Bild links.

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Stiftskirche

Romanische Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria in Bad Münstereifel

Das wohl schönste Bauwerk in dem Sinter-Werkstücke verarbeitet wurde, ist die Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria von Bad Münstereifel. Als erstes fallen dem fachkundigen Besucher am Eingangsportal rechts und links die mächtigen Kalksintersäulen ins Auge. Geht man in das sakrale Bauwerk zeigen sich rechts und links des Altares zwei weitere große Sintersäulen, die noch ihre schöne Maserung zeigen. Desweiteren stehen hinter dem Altar im Hochchor noch weitere kleinere Kalksinter Säulen. Die Mensa (Altarplatte) besteht aus einer  großen Kalksinterplatte und ist eine der schönsten ihrer Art. Ein Gemälde aus dem 15. Jahrhundert, dass auf eine Kalksinterplatte gemalt wurde gehört ebenfalls zur Einrichtung der Kirche, ist aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gehen wir außen um den Kirchenbau, zeigen sich an der Nordseite zwei Türstürze des ehemaligen Kreuzganges die aus Aquäduktmarmorplatten gefertigt sind. Darüber hinaus ist in der gesamten Außenmauer der Kirche  Kalksinter als Quadersteine vermauert worden. Die Kalksintersteine erkennt man sehr gut, da sie sich von dem restlichen Gestein optisch gut abgrenzen.

Iversheim

Bad Münstereifel-Iversheim

In den  steinernen Torpfosten der Kirchhofmauer von St. Laurentius in Bad Münstereifel-Iversheim wurden mehrere Teilstücke aus Kalksinter (Aquäduktmarmor) verarbeitet.

Hardtburg Stein von Römerkanal

Die Hardtburg bei Euskirchen-Stotzheim

Die von Wassergräben umgebene zweiteilige Burg stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. In der Hauptburg befindet sich der quadratische Wohnturm, der von einem doppelten Mauerring umgeben ist und durch ein Zwingersystem ehemals nur von der Vorburg aus zu erreichen war. Auch in der Hardtburg finden wir Reste der römischen Eifelwasserleitung wieder, zu sehen ist allerdings nur ein einziges Bruchstück: In der Südecke des Wohnturmes, etwa in Augenhöhe, ist ein eindeutig zuzuordnendes Stück Kalksinter aus der Eifelwasserleitung verbaut worden.

St.Laurentius in Niederkastenholz

In der Kapelle St.Laurentius in Euskirchen-Niederkastenholz wurde Baumaterial aus dem Abbruchmaterial der Eifelwasserleitung nach Köln mehrfach verwendet. Schon bei der Stufe im Eingang zum Kirchhof (Foto 1) handelt es sich um eine Sinterplatte, die aus der Kalkablagerung in der Eifelwasserleitung gefertigt worden ist. Auch in der Kapelle findet man dieses Material noch mehrfach verwendet, z.B. für eine Ruhebank (Foto 2) in der Sakristei, und einem Kredenztisch (Foto 3) links in der Wand vor dem Hauptaltar sowie die Mensa des Hauptaltars (Foto 4). Ferner sind mehrere Sinterstücke als Baumaterial in der Kirchhofmauer zu finden.

Stufe aus Kalksinter Ruhebank in der Sakristei Hilfsaltar Mensa-Hauptaltar
Ausguss
Sintersäule

Swisttal-Odendorf  St.Peter und Paul

Die  romanische Peter und Paul Kirche in Odendorf wurde vermutlich im 12.Jahrhundert erbaut. In und um das mittelalterliche sakrale Bauwerk wurde  Abbruchmaterial aus der römischen Wasserleitung nach Köln reichhaltig verarbeitet. Auffälligste Stücke ist die Sintersäule im inneren, und  der Ausguss des Sakrariums an der Außenwand (Fotos) der kleinen Kirche. Weiterhin kann man fast an jeder Außenmauer Sinterblöcke die als Steinquader genutzt wurden nachweisen. Auch im angrenzenden Zollhaus  von 1726 sowie in der von der Kirche gegenüberliegenden Mauer kann man den Baustoff Sinterkalk aus dem Römerkanal aufzeigen.

Maria Laach

Abtei Maria Laach

Über dem Altar der Abteikirche Maria Laach sehen wir einen Imposanten Baldachin. Bei diesem Baldachin bestehen die beiden vordern Säulen aus Kalksinter des Römerkanals.

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Wasemer Turm
römischer Innenputz

Wasemer Turm, Rheinbach

Der Wasemer Turm ist einer der ehemals acht Türme der mittelalterlichen Stadtbefestigung Rheinbachs, der neben dem Kallenturm und dem zur Burg gehörigen Hexenturm bis heute erhalten geblieben ist. Als Baumaterialien bevorzugte man die heimische Grauwacke und den gut erhaltenen Gussbeton der römischen Eifelwasserleitung, die unterirdisch das Rheinbacher Gebiet querte. Im Rund des Wasemer Turmes kann man etwa in Brusthöhe zahlreiche Stücke der römischen Wasserleitung wiederfinden; an einem haftet noch der rötliche Innenputz (Opus signinum), mit dem die Leitung gegen Wasserverlust abgedichtet worden war.

Burg Rheinbach
römischer Gußbeton

Burg Rheinbach

Die gesamte noch erhaltene Burganlage ist zu großen Teilen aus Abbruchmaterial der römischen Eifelwasserleitung errichtet worden. Im Hexenturm sieht man den römischen Gussbeton besonders neben der Treppe in den Ansätzen der ehemals nach Westen abgehenden Mauer, in der Torburg in Sturz und Bogen über der Durchfahrt, während die Umfassungsmauern und die Grundmauern überwiegend aus diesem Material gebaut worden sind. Teilweise sieht man auch noch Reste des Innenputzes und der Kalksinterablagerung.

Burg Muenchhausen
Burg Muenchhausen

Burg Münchhausen bei Meckenheim-Adendorf

In der Umgebung von Adendorf wurden noch während der fränkischen Zeit Bauwerke ausgebaut. Westlich der Ortes errichteten die Mönche des Reichsklosters Prüm im 9. Jh. eine neuen strategisch wichtigen Hofverband, der den Namen “munichusen” erhielt, und erstmals 893 im Prümer Urban erwähnt wurde.

Auch in Burg Münchhausen wurde römischer Gussbeton aus der nahegelegenen Eifelwasserleitung nach Köln zum Bau verwand.

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Grabplatte der hi. Lüfthildis

Die Grabplatte der hi. Lüfthildis aus Kalksinter in Lüpftelberg bei Meckenheim in der Pfarrkirche St.Peter

Die katholische Pfarrkirche St.Peter wurde im 11./12. Jahrhundert als einschiffiger Kapellenbau gebaut. Hier wird die Grabstätte der Volksheiligen Lüfthildis verehrt, die der Legende nach um 800 lebte und der der Ort Lüftelberg auch seinen Namen verdankt. Das Grab der hl.Lüfthildis war ehemals mit einer sehr schönen Kalksinterplatte aus der römischen Eifelwasserleitung nach Köln abgedeckt. In jüngerer Zeit wurde die Grabplatte ausgewechselt; nach ihrer Renovierung im Rheinischen Landesmuseum Bonn ist sie heute wieder in einer Seitenkapelle der Kirche aufgestellt.

Mechernich-Kallmuth

Ein aus Kalksinter gefertigter Grabstein findet man auf dem Friedhof in Mechernich-Kallmuth.

Grabsteininschrift  wurde aus Pietätsgründen retuschiert.

Hexenturm Walberberg

Der Hexenturm in Walberberg

Der Turm stammt aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts und wurde erstmals 1388 urkundlich erwähnt, eine Urkunde von 1384 bezeichnet den Turm als Wohnturm des Herren Holtorp. Knappe Konrad von Holtorp verkaufte den Hof beim „Turme" an das Kölner Domstift, es heisst auch das es sich um einen Fronhof handelte auf dem jährlich das Hofgericht abgehalten wurde. Später soll der Turm zur Aufnahme von Gefangenen gedient haben. Der Name Hexenturm taucht erstmals 1817 auf, jedoch gibt es für den Namen keinen historischen Beweis. Der Turm hat einen Außendurchmesser von ca. 8,00 Meter und eine Höhe (ohne Dach) von ca. 18,00 Metern. Der Sockel besteht aus Grauwacke, Basaltblöcken und Fragmenten römischer Dachziegel. Das Hauptmaterial des Rundturms ist wieder verwendetes römisches Gussbeton  aus dem durch Walberberg führenden Römerkanal.

Gussbeton  Burgruine Fischenich
Putzstücke  Burgruine Fischenich

 Burgruine Hürth-Fischenich

In den erhaltenen Resten des Burgmauerwerks ist deutlich sichtbar, wo das Material zum Bau der Burg im Mittelalter gewonnen wurde. Wir erkennen Blöcke von Gussbeton, denen ein rötlicher Verputz (Opus signinum) mitsamt einer Kalkablagerungsschicht anhaftet. Das macht deutlich, dass es sich bei diesem Material um wiederverwendete Teilstücke der römischen Eifelwasserleitung nach Köln handelt.

In Bild link ist der rötliche Innenputz (Opus signinum) der römischen Eifelwasserleitung gut zu erkennen.

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AachenSinter

Aachen-Dom

Im Aachener Dom besteht die Säule unter dem Hilfsaltar auf der linken Seite der Chorhalle aus Kalksinter der römischen Wasserleitung.

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